Die Gründer im Interview

October 23, 2020

Die beiden Gründer der Singular AG, Julian Alexander Amann und Bruno Ruch, beschäftigen sich schon eine ganze Weile mit Innovationen und dem digitalen Fortschritt in der Bauindustrie. Knapp zwei Jahre nach der Firmengründung, haben die beiden schon einiges zu erzählen. Erfahren Sie, wie es zur Firmengründung kam, was die grössten Herausforderungen seither waren und was sich seit der Gründung verändert hat.

 

Wie kam die Idee zu Stande?
Bruno: Ich habe lange als BIM Manager und BIM Koordinator gearbeitet. Berufsbegleitend habe ich das MAS Digitales Bauen, an der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW begonnen und dies schliesslich mit 62 Jahren abgeschlossen. Das Thema der Masterarbeit "Realtime Datamanagement Dashboards", war im Prinzip die Grundlage für die Firmengründung. In der Zusammenarbeit mit Senn, wurde die Idee entwickelt und Umgesetzt.

Wie seid Ihr aufeinander aufmerksam geworden?
Julian: Nach meinem Architekturstudium habe ich als Architekt und später als BIM-Consultant gearbeitet. Wir sind uns bei einem Grossprojekt schon einige Male über den Weg gelaufen. Als Bruno auf mich zukam, war ich schnell begeistert. Die Idee hat mich von Anfang an überzeugt.

Wann habt ihr euch entschieden eine Firma zu gründen?
Bruno: Die Idee entstand Ende 2018. Mit der Unterstützung von Senn, haben wir im Januar 2019 gestartet.

Was war eure Vision?
Die Bauindustrie ist zwar keine exakte Wissenschaft, aber meiner Meinung nach, darf sie gerne künftig etwas wissenschaftlicher werden. BIM soll als Steuerungsinstrument in der Bauindustrie seinen Platz finden.
Julian: Es wird viel von Digitalisierung gesprochen. Neu gibt es BIM-Berater, welche von aussen in die Prozesse involviert werden. Planer und Bauherren müssen befähigt werden, diese Prozesse mittels einer Software selbst abzuwickeln.

Was waren die ersten Hürden?
Julian: Am Anfang mussten wir uns noch etwas finden. Das Produkt war noch nicht vorhanden, erst die Idee. Wir bauten ein Mockup und holten einige Rückmeldungen ein. Schnell war klar, die Nachfrage war da, einige Kunden waren von Anfang an on Board und wir konnten erste Projekte zusammen entwickeln. Die Schwierigkeit bestand darin, das Produkt schnellstmöglich zu entwickeln und die Software skalierbar zu machen.
Bruno: Die Schwierigkeit war nicht, eine gute Idee zu haben, das haben viele. Wir mussten es schaffen alles zu entwickeln, programmieren und noch viel schwieriger fand ich, herauszufinden wie man ein Produkt gut auf den Markt bringen kann. Für mich persönlich war und ist es immer noch die grösste Herausforderung.

Was hat sich in den letzten 1 ½ Jahren verändert?
Julian: Die Realisation, dass wir ein skalierbares Produkt schaffen müssen. Wir können uns nicht nur auf Einzelkunden fokussieren.
Bruno: Aber der Urgedanke wurde nicht verfälscht. Das Ziel, ein Tool zu entwickeln, welches per Drag & Drop, durch einfaches Handling und somit von jedermann genutzt werden kann.

Was war der grösste Erfolg seit der Gründung?
Julian: Der grösste Erfolg für mich, war das Feedback von den ersten Kunden. Dass wir Probleme für Planer und Bauherren lösen können erfüllt mich sehr. Sämtliche Kunden haben die Zusammenarbeit verlängert, wir haben noch keinen Kunden verloren. Mit unserem Team konnten wir beweisen, dass die Nachfrage nach dieser Software da ist und dass wir sie entwickeln können.
Bruno: Das Interesse bei potenziellen Kunden ist enorm. Das Feedback war bisher zu 100% positiv. Wir fühlen uns in der Idee jeden Tag aufs Neue bestätigt. Ich denke, dass unser Ansatz der vollautomatischen und dadurch unbestechlichen BIM Modellprüfung, die Bauindustrie auf ein nächstes Level bringen wird.

Was war der grösste Misserfolg?
Julian: Einen wirklichen Misserfolg hatten wir nicht. Natürlich wären wir gerne etwas schneller in der Entwicklung.

Was würdet ihr heute anders machen?
Bruno: Weniger ist manchmal mehr. Ich würde versuchen etwas kompakter und konzentrierter vorzugehen.

Wie sieht die Zukunft, in Bezug auf BIM, in 5 Jahren aus?
Julian: BIM wird ganz normal dazugehören und man wird es nicht mehr erwähnen müssen.
Bruno: Endlich entscheiden mit BIM und BIM als Steuerungsinstrument endlich einsetzen können.

Was schätzt Ihr aneinander am meisten?
Bruno: An Julian schätze ich vor allem, sein breites Wissen und seine Kommunikationsfähigkeit. Er steht für Architektur, Technik und BIM-Management und verkörpert so die Firma zu 100%.
Julian: Bruno hat so viele Talente, ich lerne immer wieder etwas Neues über ihn. Er hat eine klare Vision, eine Linie und lässt sich davon nicht abbringen. Er ist durchaus flexibel, aber die Grundidee bleibt immer die gleiche. Man kann sich immer auf ihn verlassen. Zudem gibt es oft etwas zu lachen, das schätze ich.

Wieso ist die Schweiz hinterher?
Julian: In der Schweiz gibt es noch keine perfekte Normen und Standards. Es gibt noch keine perfekte Software. Ich denke wir helfen genau an dieser Schnittstelle, zwischen Anforderungen und Software.
Bruno: Die Gesetzgebung der Schweiz ist noch nicht da. Aber ich wage zu behaupten, wenn man einen Best Practice Vergleich machen würde, wären wir weit vorne dabei.

Wofür seid ihr dankbar?
Bruno: Ich bin dankbar, dass ich so viel lernen durfte und für dieses Gesamterlebnis bzw. für die komplette Reise, von der Aussprache der Idee, über die Investoren, die an die Idee glaubten, bis hin zu weiteren Erlebnissen wie z.B. das MAS an der FHNW/ Standford University.
Julian: Ich bin dankbar für das tolle Setting. Die Firma Senn, die uns unterstützt, die Partner, mit denen wir zusammenarbeiten und die Mitarbeiter - Ich bin ein persönlicher Fan von jedem, denn alle glauben an die gleiche Sache.